Kultivierung der Oliven in Griechenland

Der griechischen Mythologie zufolge lag die Gründung der Stadt Athen in einem Wettstreit von Athene, der Göttin der Weisheit, mit dem Meeresgott Poseidon. Jener Gott sollte die Herrschaft über Attika erlangen, der den Göttern das wertvollere Geschenk machte. Poseidon liess dem Felsen auf der Akropolis eine salzige Quelle entspringen, ein Zeichen der zukünftigen Macht Attikas über das Meer. Aber Athene legte ganz in der Nähe eine Olive in die Erde, welcher der erste Ölbaum entsprang.

k papara oel 040Dieses Geschenk war an Vielfältigkeit und Nachhaltigkeit nicht zu übertreffen: es war Nahrung, Frucht, Licht und Heilmittel in einem, ganz zur Freude der Menschheit. Müssig zu erwähnen, dass Athene den Götterwettstreit gewann, deshalb heisst die Stadt heute Athen, und nicht Poseidonia. In seinem Zorn versuchte übrigens Poseidon den Ölbaum zu zerstören, indem er eine schreckliche Dürre auslöste – aber der Baum war unsterblich und galt daher fortan in Griechenland als heilig. In der Antike wurde mit dem Tod bestraft, wer einen Olivenbaum fällte oder nur schon beschädigte.

Der Olivenbaum ist ein jahrtausendealter Überlebenskünstler, er gilt als Symbol für Beständigkeit, Genügsamkeit, Langlebigkeit und Weisheit. Selbst ein erfrorener oder verbrannter Stamm schlägt unerwartet wieder aus und aus der scheintoten Wurzel spriessen junge Triebe.
Seit der Antike hat sich die Olivenkultur kaum verändert. Da die Olivenhaine oft bis hoch hinauf in die Berge angelegt sind, ist eine maschinelle Bewirtschaftung praktisch unmöglich. Die Ernte erfolgt wie vor hunderten von Jahren.

k papara oel 005Erst werden Netze um die Bäume auf dem Boden ausgelegt. Mit Stöcken schlägt der Bauer an die Äste und schüttelt die reifen Früchte herunter, mit den Netzen werden sie dann eingesammelt. Meist werden auch grosse, viele Früchte tragende Äste abgeschnitten und die Oliven abgekämmt. So wird gleichzeitig mit der Ernte der Baum beschnitten.

k papara oel 006Wo immer möglich, wird ein Olivenhain regelmässig gepflügt. In der Regenzeit und bis in den Frühling hinein spriesst zwischen den Bäumen das Gras so schnell, dass man beinahe zusehen kann. Im Frühsommer allerdings trocknet es sehr schnell aus. Wird es dann nicht untergepflügt, ist die Gefahr gross, dass es in der Sommerhitze Feuer fängt. Bei den schlimmsten Waldbränden in Griechenland im Jahr 2007 kamen 64 Menschen im Feuer um, es verbrannten etwa 200'000 Hektaren Land, mehr als 2000 Häuser wurden zerstört oder beschädigt, 110 Dörfer wurden vollständig oder teilweise vernichtet, über 4'600’000 Olivenbäume – eine schier unvorstellbare Zahl! - fielen in diesem einzigen Sommer den verheerenden Feuern zum Opfer.